Samstag, April 02, 2005

Albanien

(Mittelmeer, vor der Adria) Gestern Albanien, Ganztagesausflug. Touristisch wirklich nicht erwähnenswert, da sollte man mal ´ne Begegnungsreise hinmachen. Oder mal ´ne Weile dort wohnen. Interessant, wie dieses Land mit seiner Geschichte umgeht. Einmal, weil es langsam mit der Bewältigung des Hoxha-Regimes anfängt, weshalb ich es spannend fände mal `ne Weile dort zu leben, andererseits, weil es so stolz auf die Geschichte davor ist, dass es schon beinahe erschreckend ist. In Kruja, zum Beispiel hat die Tochter von Hoxha ´nen Museum für Skanderbeg, den albanischen Nationalhelden gebaut, mit Heldenkult jetzt etwas vorsichtiger zu sein, auf die Idee kommen die irgendwie nicht. Dabei könnte man daran museumspädagogisch so gut demonstrieren, wie sozialistischer Heldenkult funzte. Ansonsten war die Festung in Kruja wenig sensationell. Daneben gab´s noch ein nettes Heimatmuseum, über das es allerdings auch nicht viel zu erzählen gibt. Angefangen haben wir mit unserem Ausflug in Tirana, wo einfach überall gebaut wird. Nachahmenswert ist aber die Art mit den Plattenbauten umzugehen: Irgendein Bürgermeister von Tirana war Künstler und hat die Teile anmalen lassen, was diesen Kästen ein deutlich freundlicheres Gesicht gibt. In Danzig habe ich auch schon mal in einem Viertel solche angemalten Plattenbauten gesehen, aber ansonsten frage ich mich, ob das wirklich so teuer ist oder wieso das nicht überall so gemacht wird. In Tirana der Skanderbeg-Platz sieht aus wie dieser zentrale Platz in Klaipeda und das Museum erinnert an das E.U.R.-Viertel in Rom. Schön sind die Ministeriengebäude, ansonsten haben wir von Tirana nicht mehr viel gesehen. Im Museum gab´s viel prähistorisches *gähn*, antikes Gedöns *das nicht mehr sehen kann*, einige Ikonen, die sehr stolz präsentiert wurden, wobei es erschreckend ist, das so viele davon zerstört wurden, und die neuste Abteilung mit der kommunistischen Zeit. Bemerkenswert, dass es überhaupt schon so eine große Abteilung gibt. Allerdings meine ich, dass man zwischen Gedenkstätte und Museum ganz klar trennen müsste. Eine Namensliste mit allen Opfern ist war gut und wichtig, aber in einem Museum hat das meiner Meinung nach nicht wirklich einen Sinn. Dann sind wir halt in einem total heißen Bus (mit Heizung, draußen war es kühler, deutsch, ausrangiert) nach Kruja gefahren. Neben meinen Kopfschmerzen bin ich dann auch noch wegen der Hitze total eingepennt. Neben seltsamen Museen gab es in Kruja noch einen recht bekannten Basar, wo ich meinen Ruf als Reiseteilnehmerin mit den außergewöhnlichsten Souvenirs bestätigt habe, indem ich einen Schal der albanischen Nationalmannschaft erstanden habe. Altin Lala kannte übrigens jeder, den wir gefragt haben. In Kruja waren wir dann mit 150 Leuten essen, erstaunlicherweise war das in einer Stunde geschafft. Die Leute da vom Restaurant haben echt vorbildlich organisiert und improvisiert, was man von den örtlichen guides nicht gerade behaupten kann, auch wenn unsere zumindest nett und kompetent war und sehr gutes Deutsch sprach. Albanische Küche entspricht übrigens, ähnlich wie polnische, nicht wirklich meinem Geschmack. Von der Rückfahrt nach der Durres habe ich dank nem ½ Liter Cola etwas mehr mitgekriegt. Die Landschaft ist echt schön, mit Bergen und Hügeln und so. Das ganze sieht manchmal etwas unwirklich, oder abenteuerlich, aus, was dieses Land aber gerade faszinierend macht. Natürlich ist dieses Land bitterarm, auch wenn es zu Europa gehört, ich bewundere aber diese Aufbruchsstimmung, die ich eben auch an Polen und Litauen so bemerkenswert finde. Jep, das war Albanien. Gestern gab´s ansonsten noch ´ne Runde Fahradfahren und ein bisschen Tanzen am Abend.
Heute morgen nach etwas ausschlafen und einem schnellen Frühstück hat der Herr Reiseleiter persönlich eine Kurzeinführung über Zadar/Kroatien gemacht, wo wir gerade einfahren. Hört sich wirklich gut an, venezianische, mittelalterliche Stadt, auf ´ner Halbinsel gelegen, deshalb überschaubar und abgeschlossen. Gerade fahren wir an der Küste entlang, die im Gegensatz zur türkischen Küste eine echt Wohltat ist, weil es keine Hotelklötze und so gibt, sondern nur Fels, Strand, Berg und Wald. Dabei fällt mir ein, dass ich die Vorstellung der nächsten Kreuzfahrten von Biblische Reisen vergessen habe: Es gibt echt mehr Reiseziele als Zeit und Geld diese zu bereisen. Schon allein in Europa könnte ich mir noch so viele Reisen vorstellen, ganz zu schweigen von anderen Kontinenten. Beruhigen tut mich allerdings die Erinnerung an meine Oma, die es auch geschafft hat, nach ihrer Pensionierung noch die Welt zu bereisen, da kann ich ja noch Hoffnungen haben, weil ich schon so früh anfange ;-)