Freitag, Juni 10, 2005

Nachtrag

So, das war´s - nun bin ich fertig mit der Tipperei und jetzt können auch die Lurker, die sich bisher höflich zurückgehalten haben, mal ein bißchen kommentieren, oder???
Ich habe wirklich nur abgetippt hier zu Hause, einiges sieht man später anders, einiges habe ich vergessen...("Die Stimme von der Brücke", die Schotten an den Pyramiden, die Aprilscherze,...)

Ganz wichtig sind aber noch zwei Sachen: Vielen herzlichen Dank an meine Familie! Wir sind einfach die besten - auch wenn es manchmal etwas schwierig war! Ich hoffe, ihr wisst, wie ernst ich das meine.
Und: Auch jetzt, nach´m Abi bereue ich die Fahrt nicht und habe das auch während des Abis nie getan. So schlimm war´s nämlich garnicht - und unter Zeitdruck lässt sich immer noch am besten lernen! Die zwei Wochen haben sich einfach in jeder Hinsicht gelohnt.
Tja, ansonsten hoffe ich, ihr hatte Spaß beim Lesen, für mich ist es garnicht so einfach, jetzt aufzuhören, da hängen schon ziemlich viele Erinnerungen drin - naja, man sieht sich und es gibt ja auch noch mein "normales" Blog für weitere Selbstverwirklichungen...

Sonntag, April 03, 2005

Venedig - letztes post

(zu Hause) Anstatt auszupacken oder meine Sachen für morgen zu packen schreibe ich lieber den letzten Eintrag, praktischerweise gleich am PC. Vorhin bin ich dadurch unterbrochen worden, dass das Boarding losging.
Zu den touristischen Höhepunkten in Venedig:
Der Markus-Platz ist ziemlich beeindruckend, auch wenn die Fassade ´ne Säuberung gebrauchen könnte. Schon allein die Menschen- und Taubenmassen zeigen einfach, dass hier das Leben tobt. Wie man allerdings auf die Idee kommen kann, den Zieleinlauf eines Stadtmarathons auf dem Markusplatz zu machen, und nur ein ganz bisschen abzusperren, so dass alle Läufer zwischen den Touristen durchmüssen, muss mir nochmal jemand erklären.
Der Dogenpalast sieht von außen sehr cool aus, der Innenhof ist auch noch ganz nett, die Innenausstattung finde ich nicht wirklich toll, da ich diese Renaissance-Schinken ziemlich abschreckend finde. Außerdem fehlte mir heute echt jeglicher Nerv für Kultur.
In San Marco zeigt sich zwar genauso der Größenwahn der Venezianer, aber deutlich geschmackvoller meiner Meinung nach. Viele Kuppeln mit Goldmosaiken und ein paar netten Bodenmosaiken. Die Tatsache, dass man für den Palast bezahlen muss, für die Kirche allerdings nicht, obwohl die Touristen da genauso durchgeschleust werden, finde ich etwas paradox.
Der Blick von der Rialto-Brücke ist das, was man so unter Venedig versteht: Canal mit Booten, Steegen und Pfählen, sehr hübsch. Ebenso hübsch der Blick von unten auf die Brücke.
Für Venedig gilt, wie für so vieles: Wunderschöne Stadt und ein Tag reicht nicht wirklich, ein paar Touristen weniger wären aber auch ganz schön…
Jep, dann ging´s zurück zum Schiff, von wo ein Transfer-Bus uns zum Flughafen brachte. Meine Wasserpfeife sorgte beim Zoll und bei den Sicherheitskontrollen übrigens für amüsante Szenen. (security-man 1 zu uns: „What is that?“ wir: “a waterpipe” “what?” “waterpipe” security-man 1 zu security-man 2: “waterpipe” “what?” wir: “waterpipe” die schicken das ding durch das röntgengerät, ein großes “ah” und gelächter…)
Etwas in Raten verlief die Verabschiedung mit all den Leuten, die wir auf der Fahrt kennengelernt haben. Vor allem mit den Reiseleiter, aber auch mit einigen anderen lieben Leuten, gottseidank gab´s ja auch noch ein paar jüngere Mitfahrer auf dieser Fahrt.
Was ja etwas heftig ist, ist die neue Wahrnehmung von Entfernungen seit den Billigfliegern. Anderthalb Stunden Venedig – Hannover führen dazu, dass ich noch nicht wirklich hier bin.

Hier wäre jetzt theoretisch ein Platz für ein Fazit oder Resümee oder wie auch immer ihr es nennen wollt. Das fällt mir etwas schwer. Ich denke die meisten von euch wissen von meiner Reisebegeisterung und den anderen wird es spätestens, nachdem sie wenigstens etwas davon gelesen haben auch aufgegangen sein. Ich denke, es wird einfach überall klar, wie großartig die letzten zwei Wochen waren. Zum Schluss kann ich noch sagen: Reisen verändert, das gilt auch und vor allem für diese Reise!

Zadar und Venedig I

(Venedig, MarcoPolo-Airport) Jetzt wird es mal wieder etwas schwieriger sich zurückzuerinnern. Zadar, gestern (war das wirklich erst gestern?) Ich konnte nicht wirklich glauben, dass wir nur ein paar Kilometer von Albanien entfernt waren. Die Stadt sieht aus als wäre man in Italien gelandet. Als erstes gab´s ne Wasserorgel und ich meine, dass ich so ein Ding schon mal irgendwo gesehen bzw. gehört hätte, aber keinen Plan wo. Die Stadt machte erst mal einen sehr hellen und sauberen Eindruck, was aber wohl nach Ägypten und Albanien kein Wunder ist. Unsere örtliche Stadtführerin sprach leider ein miserables Deutsch, weshalb es super anstrengend war ihr zuzuhören, dafür hatte sie echt ziemlich viel Ahnung und sah übrigens ziemlich gut aus. In Zadar gab´s ein paar vergessenswerte Trümmer von den Römern, ansonsten eine schöne Altstadt mit einigen Kirchen. Krass fand ich ein Museum für sakrale Kunst in einem Benediktinerinnen-Kloster. Die haben es echt geschafft viele wertvolle Kunstschätze immer wieder zu retten, von denen ich nie auf die Idee gekommen wäre, dass sie da existieren. Vom Gebäude her toll war so eine Art Rundkirche oder so, kann ich mangels Fachwissen nicht beschreiben, ziemlich hoch und ziemlich altes Gemäuer. In Zadar spielen irgendwie ziemlich viele Heilige, die teilweise noch nichtmal anerkannt sind, eine Rolle, wobei ich mal wieder gemerkt habe, dass die ganzen storys von denen oft sehr strange sind und, dass ich mich mal mehr mit diesen verqueren Geschichten beschäftigen sollte (wenn ich mal Zeit habe ;-) ). Kurz zur Erklärung: Die Venezianer haben ziemlich lange über Zadar geherrscht, deshalb sieht die Stadt so italienisch aus, wobei man sich historisch darüber streiten kann, ob das nun gut oder schlecht für die Stadt war, weil dadurch die Türken länger abgehalten wurden. Bevor ich´s vergesse: ´ne nette romanische Kirche gibt´s noch, allerdings teilweise recht eklige barocke Ausstattung. Bemerkenswert ist nich die Tatsache, dass es tatsächlich nen Café gab, das weder Dollars noch Euros nahm, was für mich für ein großes Selbstbewusstsein dieses Landes spricht. Das faszinierendste an dieser Stadt war aber wirklich durch eine italienische Stadt zu fahren ohne in Italien zu sein. In Italien waren wir aber dafür heute, vom gestrigen Abend ist nix groß zu erzählen. Wir mussten halt packen und ich wäre ein paar Mal fast explodiert. Ach ja, der Papst, Gott hab ich selig, beinahe hätte ich ihn vergessen. Rom ist weit. Nee, ernsthaft, es war ja echt ne Erleichterung. Mir gingen bloß diese Dauersondersendungen auf die Nerven, die mein Vater und meine Sis auch noch gucken mussten. Über´n Papst und Co. vielleicht später mal mehr in diesem Theater, da kann man ja ewig was drüber schreiben. In Venedig merkte man wider Erwarten abgesehen vom Halbmast nicht viel vom Tod des Papstes. Erstmal ist Venedig natürlich Italien, also ein Lebensgefühl, das für sich spricht. Der Aufbau der Stadt ist für mich wasserliebendes Wesen einfach nur genial. Überall Kanäle und Brücken, ganz zu schweigen von den Gondeln, die überall herumfahren. Einen Stadtplan habe ich schnell für kontraproduktiv gehalten, stattdessen ist es sehr cool einfach drauflos zu rennen . Im Gegensatz zu anderen Städten ist aber oft einfach Ende, weil halt Wasser da ist und keine Straße, sowieso sind die Straßen recht klein und autolos. Trotz aller Begeisterung muss ich ein paar Experten von nh zustimmen, die vor Urzeiten mal gesagt haben, dass man schnell nach Venedig fahren müsste, weil die Stadt immer mehr zerfällt. In diese Stadt muss unbedingt mehr Geld, um die alten Paläste zu erhalten, die bald hin sind.

Samstag, April 02, 2005

Albanien

(Mittelmeer, vor der Adria) Gestern Albanien, Ganztagesausflug. Touristisch wirklich nicht erwähnenswert, da sollte man mal ´ne Begegnungsreise hinmachen. Oder mal ´ne Weile dort wohnen. Interessant, wie dieses Land mit seiner Geschichte umgeht. Einmal, weil es langsam mit der Bewältigung des Hoxha-Regimes anfängt, weshalb ich es spannend fände mal `ne Weile dort zu leben, andererseits, weil es so stolz auf die Geschichte davor ist, dass es schon beinahe erschreckend ist. In Kruja, zum Beispiel hat die Tochter von Hoxha ´nen Museum für Skanderbeg, den albanischen Nationalhelden gebaut, mit Heldenkult jetzt etwas vorsichtiger zu sein, auf die Idee kommen die irgendwie nicht. Dabei könnte man daran museumspädagogisch so gut demonstrieren, wie sozialistischer Heldenkult funzte. Ansonsten war die Festung in Kruja wenig sensationell. Daneben gab´s noch ein nettes Heimatmuseum, über das es allerdings auch nicht viel zu erzählen gibt. Angefangen haben wir mit unserem Ausflug in Tirana, wo einfach überall gebaut wird. Nachahmenswert ist aber die Art mit den Plattenbauten umzugehen: Irgendein Bürgermeister von Tirana war Künstler und hat die Teile anmalen lassen, was diesen Kästen ein deutlich freundlicheres Gesicht gibt. In Danzig habe ich auch schon mal in einem Viertel solche angemalten Plattenbauten gesehen, aber ansonsten frage ich mich, ob das wirklich so teuer ist oder wieso das nicht überall so gemacht wird. In Tirana der Skanderbeg-Platz sieht aus wie dieser zentrale Platz in Klaipeda und das Museum erinnert an das E.U.R.-Viertel in Rom. Schön sind die Ministeriengebäude, ansonsten haben wir von Tirana nicht mehr viel gesehen. Im Museum gab´s viel prähistorisches *gähn*, antikes Gedöns *das nicht mehr sehen kann*, einige Ikonen, die sehr stolz präsentiert wurden, wobei es erschreckend ist, das so viele davon zerstört wurden, und die neuste Abteilung mit der kommunistischen Zeit. Bemerkenswert, dass es überhaupt schon so eine große Abteilung gibt. Allerdings meine ich, dass man zwischen Gedenkstätte und Museum ganz klar trennen müsste. Eine Namensliste mit allen Opfern ist war gut und wichtig, aber in einem Museum hat das meiner Meinung nach nicht wirklich einen Sinn. Dann sind wir halt in einem total heißen Bus (mit Heizung, draußen war es kühler, deutsch, ausrangiert) nach Kruja gefahren. Neben meinen Kopfschmerzen bin ich dann auch noch wegen der Hitze total eingepennt. Neben seltsamen Museen gab es in Kruja noch einen recht bekannten Basar, wo ich meinen Ruf als Reiseteilnehmerin mit den außergewöhnlichsten Souvenirs bestätigt habe, indem ich einen Schal der albanischen Nationalmannschaft erstanden habe. Altin Lala kannte übrigens jeder, den wir gefragt haben. In Kruja waren wir dann mit 150 Leuten essen, erstaunlicherweise war das in einer Stunde geschafft. Die Leute da vom Restaurant haben echt vorbildlich organisiert und improvisiert, was man von den örtlichen guides nicht gerade behaupten kann, auch wenn unsere zumindest nett und kompetent war und sehr gutes Deutsch sprach. Albanische Küche entspricht übrigens, ähnlich wie polnische, nicht wirklich meinem Geschmack. Von der Rückfahrt nach der Durres habe ich dank nem ½ Liter Cola etwas mehr mitgekriegt. Die Landschaft ist echt schön, mit Bergen und Hügeln und so. Das ganze sieht manchmal etwas unwirklich, oder abenteuerlich, aus, was dieses Land aber gerade faszinierend macht. Natürlich ist dieses Land bitterarm, auch wenn es zu Europa gehört, ich bewundere aber diese Aufbruchsstimmung, die ich eben auch an Polen und Litauen so bemerkenswert finde. Jep, das war Albanien. Gestern gab´s ansonsten noch ´ne Runde Fahradfahren und ein bisschen Tanzen am Abend.
Heute morgen nach etwas ausschlafen und einem schnellen Frühstück hat der Herr Reiseleiter persönlich eine Kurzeinführung über Zadar/Kroatien gemacht, wo wir gerade einfahren. Hört sich wirklich gut an, venezianische, mittelalterliche Stadt, auf ´ner Halbinsel gelegen, deshalb überschaubar und abgeschlossen. Gerade fahren wir an der Küste entlang, die im Gegensatz zur türkischen Küste eine echt Wohltat ist, weil es keine Hotelklötze und so gibt, sondern nur Fels, Strand, Berg und Wald. Dabei fällt mir ein, dass ich die Vorstellung der nächsten Kreuzfahrten von Biblische Reisen vergessen habe: Es gibt echt mehr Reiseziele als Zeit und Geld diese zu bereisen. Schon allein in Europa könnte ich mir noch so viele Reisen vorstellen, ganz zu schweigen von anderen Kontinenten. Beruhigen tut mich allerdings die Erinnerung an meine Oma, die es auch geschafft hat, nach ihrer Pensionierung noch die Welt zu bereisen, da kann ich ja noch Hoffnungen haben, weil ich schon so früh anfange ;-)

Donnerstag, März 31, 2005

auf See

(Mittelmeer, Nähe Korfu) Selbst mein Bildungsdrang lässt langsam aber sicher nach – auch wenn ich es nicht so ganz gedacht hätte. Gestern war ich nur beim Altphilologen-Gesprächskreis. Es ging um Sappho und war deshalb ganz interessant, ansonsten ist der Typ echt wie so´n Lehrer, der keine Fragen oder Zweifel zulässt. Heute morgen gab´s einen ganz netten Vortrag von Herrn Müller zu den Kopten. Habe ich schon von der Feststellung berichtet, dass Kirchengeschichte wirklich ganz interessant sein kann, solange mein werter Herr Religionslehrer mich davon verschont? Eine grandiose Nachricht gibt´s noch: Ich habe mit Abivorbereitungen angefangen. Heh, das ist toll, ich habe mich wirklich auf diesem Schiff dazu aufgerafft *ihre eigene willensstärke bewundert* Ok, ok – weit bin ich nicht gekommen, aber immerhin habe ich gestern die ganze erste Lateinprobeklausur gemacht und heute die zweite angefangen, gut ging das allerdings nicht. Die erste war unproblematisch, aber bei der zweiten habe ich schon gemerkt, dass Seneca schon eine ganze Weile her ist. Erwähnenswert ist noch der gestrige Abend, mit ABC-Quiz, was eine lustige Angelegenheit ist, die man irgendwo mal verwenden kann. Es wird ein Wort vorgelesen und man muss sich für eine Erklärung von drei „Experten“ (=Reiseleitern entscheiden. Keins der 10 Wörter kannte man und eigentlich mussten alle raten – eigentlich sinnlos, was das Kräftemessen angeht, aber ein großer Spaß für alle, denen solche intellektuellen Laberspiele gefallen.
Dann war gestern noch Piratenabendessen, die Besatzung hat sich verkleidet und die Bedienung sah so schon gleich viel menschlicher aus. Ganz lustiges Essen, mit Besteck auf dem Tisch verteilt und so. Eben grad war ich noch beim Einführungsvortrag über Albanien, wo wir morgen einlaufen. Eine interessante Entdeckung gemacht, die nur meinen Latein-LK, also Zucki interessieren wird: Durres, also unser Hafen morgen ist das antike Dyrrachium, von wo Cicero seine Jammerbriefe geschrieben hat. Ansonsten habe ich mich in den letzten Tage vor allem auf „Die Mitte der Welt“ von Andreas Steinhöfel gestürzt. Ein grandioses, fast schon erschreckendes Buch. Erschreckend deshalb, weil es immer wieder Einzelteile meiner Psyche trifft. Also ich kann mich mit keiner der Personen voll identifizieren, aber manche Beschreibungen treffen mich so haargenau. Ansonsten ist die Geschichte von der Erzählweise, von den Assoziationen und von der Art, wie zum Schluss immer alles zusammenpasst einfach genial. Also: große Empfehlung! Vielleicht schrecken die 450 Seiten manche Leute ab, oder auch der Klappentext, der superöde klingt, aber glaubt mir: Steinhöfel besitzt eine Menschenkenntnis, eine Erfahrung und eine Erzählweise, die einen nicht mehr loskommen lässt. Selbst als ich nicht gelesen habe, habe ich ständig an die Geschichte gedacht und, weil ich davon geredet habe, meine Mutter dazu gebracht, dass sie es jetzt liest. Der absolute Hammer ist eigentlich das Nachwort, wovon ich jetzt nichts erzählen werden, weil das der Effekt überhaupt ist, aber da war ich irgendwie nur noch am Grinsen. „Defender“ ist so ´ne Art Epilog, also verschiedene Kurzgeschichten, die wohl alle mit den Personen aus „Die Mitte der Welt“ zu tun haben. Leider sehe ich manche Zusammenhänge noch nicht, da muss mir nochmal jemand auf die Sprünge helfen. Ach ja, spezial thanks to Zucki für´s Ausleihen! (Heh, du bist jetzt an einem Tag zweimal erwähnt, fühlst du dich wenigstens geehrt?) Vielleicht wegen des Buches, aber auch wegen der Reise und dem Programm an sich denke ich gerade ziemlich viel über mich nach. Jetzt weiß ich wenigstens eine fixe Idee, die mich die letzten Wochen verfolgte, echt bescheuert wäre, weil ich mich da echt aufopfern würde und das auch noch wahrscheinlich ohne Erfolg. Es gibt Dinge, die tun weh, aber es hilft ja nix, die Realität ist wie sie ist und ich sollte meine Neuanfangschance daher nicht vergeben. Außerdem habe ich heute ein paar konkrete Entscheidungen getroffen, als ich an Deck lag, im Wind, mit Blick auf den Himmel oder das Meer von oben und mich gefragt habe, was man eigentlich braucht um glücklich zu sein!

Dienstag, März 29, 2005

Ägypten, zweiter und dritter Tag

(Alexandria) Bisher war diese Reise ja einfach nur schön, langsam wird das Leben komplizierter, aber das gehört erst mal nicht hierher, vor allem, weil ich nicht weiß ob das, wenn ihr das lest, noch aktuell ist. Gestern habe ich auf´s Schreiben verzichtet, weil wir ein super-volles Tagesprogramm hatten und ich abends die Mega-Kartenschreibe-Session eingelegt habe. Daher ist es jetzt, wieder auf dem Schiff, etwas schwierig über die letzten beiden Tage zu schreiben. Interessant war das Essen, ich hatte relativ schnell raus, was ich mag und habe mich dann hauptsächlich davon ernährt: ägyptischer Schafskäse, total weich und einfach nur lecker, dazu Fladenbrot oder zum Frühstück Pfannkuchen. Von allen anderen Sachen habe ich immer nur vorsichtig probiert, alles halt interessant, aber ich konnte nicht soviel davon essen, dass ich satt werde.
Genervt haben mich dumme Kommentare älterer Reiseteilnehmer, teilweise auch meiner Eltern, klar ist dieses Land arm, klar ist vieles schrecklich, klar sieht vieles in der Stadt total schrecklich aus. Und natürlich halte ich auch nicht viel davon, dass Frauen Kopftücher tragen. Aber muss man denn ständig sagen, wie grauenvoll alles ist? Muss man ständig sagen, wie schmutzig alles ist? Muss man ständig wiederholen, wie schrecklich man es findet, dass die Frauen alle mit Kopftüchern rumlaufen? Kann man nicht einfach mal aufhören zu pauschalisieren, kann man nicht einfach mal die Kultur ein bisschen genießen und wieso können Menschen in manchen Momenten nicht einfach mal schweigen? Diese Fragen, Gefühle, Aggressionen kamen vor allem von unserem ersten Programmpunkt gestern. Wir waren zu Besuch bei einer Schwestern-Station, wo die Schwestern den Müllmenschen, besonders den Kindern und Frauen helfen. Das sind Menschen, die vom Müll leben, von dem, was sie darin finden und, wenn ich es richtig verstanden habe, auch von einer Art Gebühr für die Müllabfuhr. Also so ziemlich die Ärmsten der Armen in Kairo. Erst sind wir mit großen Bussen bis an den Rand des Viertels gefahren und dann in kleinere Busse umgestiegen, weil die großen nicht durch die kleinen Straßen passen, Straßen ist eigentlich zu viel gesagt: Hauszwischenräume. Das Viertel ist auch eins von denen, wo die Häuser quasi selber gebaut wurden und die Stahlstreben noch oben rausgucken, zwischendurch gibt es immer mal eine Grünfläche, wo irgendwas angebaut wird. Wie es dort aussieht, kann man sich einfach nicht vorstellen, selbst wenn man so was schon ständig im Fernsehen, in irgendwelchen Dokus oder in Schulbüchern gesehen hat. Dass Menschen dort wohnen können, kann man sich eigentlich nicht vorstellen, ständig irgendwelche Müllkippen, wo irgendwelche Leute, oft Kinder drin herumsuchen. Häuser, die eigentlich keine sind und die Armut, die einem an jeder Ecke entgegenkommt. Trotzdem sind die Menschen nicht wirklich unglücklich, sondern es tobt das Leben. Ich komme mir in diesem Bus, wie ein totaler Fremdkörper vor und denke mir, dass die Menschen draußen eigentlich einen totalen Hass auf uns haben müssen. Aber das ist einfach nicht so, viele winken oder lachen. Dann kommen wir an der Schwestern-Station an, die sofort dadurch auffällt, dass ein Pulk Frauen ohne Kopftuch rauskommt, offensichtlich koptische Christinnen. Beim Betreten der Station kommt man sich vor wie in einer anderen Welt. Alles sauber, Menschen mit „normaler“ Kleidung. Wir werden in den Empfangssaal geführt, wo eine Schwester uns von der Arbeit mit den Müllmenschen erzählt. Einer Schwester Emmanuelle aus Frankreich hat das Kloster (das Wort fällt mir in dem Zusammenhang schwer) dort gegründet. Koptische Schwestern haben später ihre Arbeit weitergeführt. Die Schwestern haben viele und verschiedene Projekte, die ich gar nicht mehr alle aufzählen kann. Sie helfen natürlich dort, wo es nötig ist und wo sie helfen können, um den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen. Also Schulen, Krankenhäuser, eine Sonderschule für behinderte Kinder, Gesundheitsvorsorge, Hygienebelehrungen, Kurse für Frauen über ihre Rechte, Hilfe bei der Ausweisebeschaffung für Frauen usw. Nachdem der uns begleitende Pfarrer noch eine Lob- und Dankrede, natürlich verbunden mit einem Umschlag mit entsprechendem Inhalt, gehalten hat, wurden wir dann durch die ganze Anlage geführt. Direkt vor Ort ist, neben den Zimmern der Schwestern, wo wir natürlich nicht reindurften, vor allem das Krankenhaus, eine Art Internat und die Sonderschule. Im Krankenhaus war um die Uhrzeit natürlich nichts los, weil die Patienten alle arbeiten. In der Sonderschule fiel mir auf, dass die dort mit überraschend moderner Pädagogik arbeiten, also natürlich kleine Klassen, aufgeteilt nach der Schwere und Art der Behinderung, immer Doppelbesetzung in den Klassen. Es wurde einfach total deutlich, dass man dort wirklich jedes Leben als lebenswert ansieht. Zwischen den ganzen ägyptischen Gesichtern tauchte übrigens auf einmal ein europäisches auf, das sich als ein deutscher FSJler statt Zivi entpuppte, entsandt von der evangelischen Kirche. Also wenn andere Leute meinen ihr Vaterland verteidigen zu müssen, weiß ich, wer die wirklichen Drückeberger sind. Zwischendurch konnten wir noch ein paar Erzeugnisse der Schüler dort kaufen, was natürlich fast alle gemacht haben. Lustig war, wie wir ein paar Kinder, die da am Knoblauchrupfen waren, mit der Digi-Cam beeindrucken konnten. Irgendwann sind wir dann auch wieder gefahren, ohne dass das Geplapper von so einigen Leuten aufhörte. Geschockt hat mich das nicht wirklich, etwas nachdenklich gemacht natürlich. Aber vor allem finde ich es irgendwie ermutigend, dass es eben doch was bringt im Kleinen anzufangen, klar löst man so nicht die weltweite Armut, aber deshalb gar nichts tun? Also wenn irgendwer mal den Drang haben sollte Geld loszuwerden: Hier ist es wirklich gut aufgehoben und kommt an! (Edit von zu Hause: Wer sich näher dafür interessiert hier gibt es einen guten Artikel von Missio)

Schlimm ist es natürlich abends dann ins Hotel zurückzukommen oder jetzt auf´s Schiff. Es fällt mir schwer diese Feststellung so stehen zu lassen, aber es bleibt mir schlichtweg nichts anderes übrig. Danach gab´s einen Punkt, der eigentlich kaum erwähnenswert ist: der Baum unter dem die Heilige Familie angeblich bei ihrer Flucht nach Ägypten gerastet hat. Dann unwesentlich weniger unwichtig: Die Moschee in der Zitadelle, irgendwie hässlich, mein Vater meinte, es wäre halt eine andere Art von Kunst, aber ich mag ja Barock oder Rokoko-Kirchen auch nicht. Zum Mittag waren wir auf nem Schiff, weil wir es ja so gewohnt sind. Allerdings auf´m Nil und festgemacht, wirklich ein schönes Schiff. Es war auch nett, die vorbeifahrenden Schiffe zu beobachten. Aber dann: das ägyptische Museum! Leider ging´s mir körperlich nicht so toll, so dass ich es nicht wirklich genießen konnte. Außerdem habe ich es mal wieder bereut keine Ahnung zu haben: die Ägypter sind echt böhmische Dörfer für mich, zumindest im Vergleich zu den Griechen, Römern und Kreuzfahrern. Jetzt bin ich zumindest etwas schlauer. Und die Exponate im Museum sind auch so einfach total bestaunenswert. Die Schreiberstatue kennt z.B. fast jeder und diese im-schneidersitz-sitzenden Statuen gucken einfach immer freundlich. Von denen allen würde ich sofort einen Gebrauchtwagen kaufen. Ansonsten solche Sachen, wie den Sphinx von Hatschepsut und alle solche Sachen, die ich mangels Wissen schwer beschreiben kann. Besonders beeindruckend ist natürlich der Schatz von Tutanchamun. Viel Gold, viel blau, viel geschmackvolle Kunst halt. Museumspädagogisch ist das Museum übrigens ein Unding, was schlichtweg am Platzmangel liegt. Daher wollen die auch ein neues Museum bauen, was das weltgrößte werden soll, damit nicht mehr alles so gedrängt steht. Wie gesagt, es war leider nicht so mein Tag, deshalb tue ich die alten ägyptischen Kultur leider wohl etwas Unrecht. Nach dem Tag war ich auf jeden Fall total fertig. Heute morgen ging´s dann wieder ziemlich früh los und nochmal zu den Pyramiden, die von nahem deutlich gigantischer wirken als, wie bei der Lichtshow, von weiter weg. Wenn die fliegenden Händler (übrigens mit genialem Deutsch: „Eile mit Weile“ oder „Mensch Meier“) nicht wären, wär es geradezu erholsam bei den Pyramiden rumzusitzen. Nachdem wir einmal um die Cheops-Pyramide rum sind und mein Vater sich von einem Tourism-Police-Menschen hat verarschen lassen (der „Hauptmann von Köpenick“ funzt immer noch), hatten wir noch ewig Zeit und haben die ägyptische Sonne genossen. Dann gab´s noch echt touristenmäßig den Panorama-Blick und schließlich den Sphinx von nah, auch sehr nett. Dann hieß es erst mal im Bus sitzen, mit dem alten Prob, dass das furchtbar müde macht. Anstatt den Ausführungen unseres Reiseleiters über die Wüste zu lauschen und dabei einzuschlafen, hab ich lieber Wise guys gehört, damit ich weiter rausgucken konnte und nicht penne. Dann haben wir noch Zwischenstation bei einem Wüstenkloster gemacht. Koptische Mönche, die in der Wüste leben und Platzmangel haben anstatt Nachwuchssorgen. Allerdings sind mir diese kontemplativen Orden angesichts der Probs in der Welt immer etwas fremd. Beten ist ja schön und gut, aber die Arbeit der Schwestern in Kairo kommt mir dann doch irgendwie wichtiger vor. Beim Mittagessen im Rasthof hatte ich die Gelegenheit einen Löwen hautnah mit dem Haustiermodus unserer Kamera zu fotografieren. Dann weiter direkt durch die Wüste nach Alexandria. Die Stadt kam mir viel europäischer vor als Kairo. Der Straßenverkehr halbwegs geordnet, die Straßen sauberer und die Häuser moderner. Die Bibliothek ist schon von außen ein cooles Gebäude. Wirklich schade, dass wir nicht reinkonnten. Ansonsten haben wir noch an der Zitadelle gehalten, wo ich auch gerne reingegangen wäre, sowieso hätte ich von Alexandria gerne mehr gesehen. Aber die Zeit reichte einfach nicht und soviel Kraft hatte ich hier ja auch einfach nicht. Als Schlussstory zu diesem krassen und beeindruckenden Land noch meine neu erworbene Wasserpfeife: Wir hatten während der Busfahrt gestern den örtlichen Angestellten von Biblische Reisen gefragt, der mir dann nach dem Essen erzählt hat, dass ich in der Nähe vom Hotel keine kriege, dass er aber einen Händler anrufen könne, der dann mit dem Taxi vorbeikäme. Noch etwas skeptisch habe ich dann zugesagt und ne ¾ Stunde später kam dann die Wasserpfeife, den Händler dazu habe ich nie gesehen, komplett verpackt, mit Apfeltabak. Die habe ich dann käuflich erworben. Dummer weise etwas unpraktisch, weil zum transportieren gänzlich ungeeignet. Zwar schön verpackt in ´ner Tasche, aber halt in einer Größe, dass sie eher zum Einrichtungsgegenstand bei mir wird. Heute vor der Schiffsabfahrt habe ich dann noch vom restliche ägyptischen Geld Kohle und andere Tabaksorten gekauft. Ich bin wirklich gespannt, wie das dann zu Hause wird. Jetzt sitze ich also wieder auf diesem Schiff und die fehlende Privatsphäre haut langsam rein. Ich merke, dass es mir alle Eindrücke aus´m Hirn pfeift, wenn wieder irgendwer meint die Glotze anmachen zu müssen. Schreibe tue ich meistens an Deck, oder hier in der Bibliothek, wo man natürlich auch nicht wirklich ungestört ist. Dafür kommt man von Zeit zu Zeit mit anderen Leuten ins Gespräch, was meistens ganz nett sein kann. Trotzdem bräuchte ich gerade echt gelegentlich mal einen Raum, wo ich einfach meine Ruhe habe. Schreiben wäre dann auch deutlich einfacher.

Sonntag, März 27, 2005

Ägypten, erster Tag

(Kairo) Dieses Land ist einfach nur krass! Eigentlich nur drei Stunden Busfahrt haben für den Wunsch gereicht in diese Kultur richtig einzutauchen. Wir fahren im Konvoi von 5 Bussen plus 2 Sicherheitsautos (und extra Sicherheitsleuten in jeden Bus, die Pflicht sind) von Port Said nach Kairo. Die hohe Bevölkerungsdichte und der Bevölkerungszuwachse von rund 1,7 Millionen Menschen jährlich springt einem ständig entgegen. Überall an der Straße gibt es sogenannte neue Städte, die in den letzten zehn Jahren hochgezogen wurden. Meist säuberlich getrennt das Wohngebiet auf der einen und das zugehörige Industriegebiet auf der anderen Seite. Das krasseste zu dem Thema ist aber wohl ein Stadtviertel in Kairo, kurz vor den Pyramiden. Dort durfte eigentlich nicht gebaut werden, weil es fruchtbares Land ist. Die Leute haben aber quasi über Nacht dort Häuser hochgezogen. Nun können die Behörden die erst rausschmeißen, wenn sie den Leuten andere Wohnungen zuweisen, was sie natürlich nicht können. Also bleiben die Menschen dort wohnen, in einer Art Backsteinhäuser mit kaum Fenstern, häufig gucken die Stahlträger, weil die Bewohner, wenn sie können, noch höher bauen wollen. Das ganze Viertel ist für europäische Verhältnisse zumindest riesig. Genauso der alte Friedhof, ich glaub von den Mamelucken, wo die Menschen Häuser quasi um die alten Gräber herumgebaut haben. Im Gegensatz dazu gibt es natürlich auch ein Reichenviertel mit palastähnlichen Häusern, wo auch Präsident Mubarak wohnt, in dessen Richtung alle Straßen abgesperrt sind.
In Port Said fiel mir als erstes auf, wie gut ausgebaut die Straßen sind und wie wohlhabend alles aussieht. Das liegt wohl daran, dass wir mal wieder in einer Freihandelszone gelandet sind (s. Monaco und Delos). Auffällig waren auch die ganzen Schulkinder, die uns zuwinkten. Auf den zweiten Blick merkte ich dann natürlich, dass ich in einem islamischen Land bin: viel weniger Frauen als Männer auf der Straße und die Frauen, bis auf Ausnahmen, mit Kopftuch oder noch mehr verschleiert, sowohl auf dem Land, als auch in der Stadt. Eine Ausnahme ist unsere örtliche Reiseleiterin, wieso sie kein Kopftuch trägt, weiß ich (noch) nicht. Erwähnenswert finde ich noch, dass die Bauern alles das ganze Jahr über anpflanzen können. Auf die Temperatur kommt´s nicht an, ist immer warm genug und das Wasser kommt eh vom Nil und ist vom Niederschlag unabhängig. Hab ich alles mal in Erdkunde gehört, aber so ist es schon was anderes. Deshalb gehören die Bauern hier auch nicht zur untersten Bevölkerungsschicht, weil sie jeden Acker rund viermal im Jahr ernten können. Lehrer haben´s auch nicht gerade leicht, die können nur überleben, wenn sie Privatstunden zusätzlich geben. Die braucht allerdings jeder, weil es in den staatlichen Schulen Klassengrößen bis zu 60 Schülern gibt, in den privaten bis zu 40. Schulpflicht gibt´s übrigens bis zur 9., die laut unserer Reiseleiterin auch überall durchgesetzt wird… Auf dem land ist es einfach nur krass, wie direkt neben der großen Straße die Felder anfangen und in was für Hütten die Bauern wohnen, die aber alle Wasser und Strom in den Häusern haben. In der Stadt ist erst mal das Verkehrschaos, das echt lustig ist. Kamele und Esel haben wir nicht nur auf dem Land gesehen, sondern vor allem in Kairo auf den Straßen. Ja, ich könnte noch ewig über solche Eindrücke schreiben, aber morgen müssen wir um 7.30 Uhr vom Hotel los. Deshalb nur noch kurz über die Ton- und Lichtshow bei den Pyramiden. Ich habe sie also gesehen, die Pyramiden, die die verrückten Pharaonen gebaut haben. Kleiner als ich dachte, ehrlich gesagt. Aber sehr beeindruckend wegen der Schlichtheit und der Ewigkeit, die diese Bauwerke ausstrahlen. Da spüre ich Gott und denke an alle Menschen, die ich gerne habe und denen ich diesen Blick auch mal wünschen würde. Bei Sonnenuntergang und im Dunkeln mit verschiedenfarbiger Beleuchtung macht das Ganze natürlich noch mehr Eindruck. Dazu gab´s übrigens nette Geschichtchen und Kommentare von dem Sphinx, die zu historisch-philosophischen Gedanken anregten. Haben nun Cheops und Co. den Tod besiegt? Würde sich ohne die Pyramiden heute noch irgendwer an die erinnern? Erhabene Bauwerke, die irgendwie direkt an der Großstadt liegen, aber doch außen vor sind.

Samstag, März 26, 2005

Rhodos

Heute morgen sind wir dann in Rhodos eingefahren – ohne Koloss, aber trotzdem beeindruckend. Als Übergang gab´s erst noch ein bisschen griechische Trümmer auf der Akropolis, eigentlich nicht erwähnenswert. Aber dann: Die Innenstadt, der Großmeisterpalast und das Johanniterkrankenhaus. Auch alles sehr historisch, aber endlich mal was anderes als Antike. Bei den Kreuzrittern ist irgendwie mehr Dynamik drin, die ganze Festung, die Straßen und Häuser wirken nicht unbedingt moderner, aber schon irgendwie nicht so ewig. Außerdem ist das alles irgendwie praktischer konstruiert. Der Großmeisterpalast ist heute quasi Museum. Das Obergeschoss ist neu wiederaufgebaut worden. Irgendeiner der Kreuzritter hatte aus irgendeinem Grund im Keller der Kirche nebenan Schießpulver versteckt und als er starb, wusste niemand was davon. Dann ist bei einem Blitzeinschlag das Zeug in die Luft gegangen, hat die Kirche geschrottet und auch das Obergeschoss des Palastes. Wieso das Erdgeschoss das unbeschadet überstanden hat, muss mir mal irgendwer erklären der/die Ahnung von der Wirkung von Schießpulver hat. Auf jeden Fall kamen dann die italienischen Faschisten und wollten da so´ne Art Residenz und Hotel einrichten. Deshalb haben sie den ersten Stock wiederaufgebaut und die Räume eingerichtet, z.B. mit Mosaiken (antiken und christlichen) von der Insel Kos – sehr schön, aber passen nicht so dahin. Die Räume, der Innenhof und vor allem das Treppenhaus sind sehr hoch gebaut, so gotische Bögen, aber halt sonst sehr schlicht. (kA, wie das früher wirklich aussah, die Kreuzritter halte ich nicht für so schrecklich bescheiden). Eine völlig andere Welt und zwar diese mittelalterliche, die ich irgendwie wegen ihrer Dynamik und ihrem Kulturenmix so spannend finde.
Dann sind wir die älteste Straße der Welt, die noch befahren ist, langgegangen. Das heißt da fahren Autos, da wohnen Menschen oder da sind Behörden und Konsulate. Das gibt der Altstadt natürlich etwas besonderes, aber ich frage mich, ob das nicht ein bisschen kurzfristig gedacht ist, weil die Rhodier ja auch, gerade im Sommer mit den Touristen, Probleme mit dem Straßendreck kriegen müssten, der ja solche alten Gemäuer recht schnell angreift.
Dann sind wir in´s Museum, das früher das Krankenhaus der Johanniter war. Der Orden war quasi dreigeteilt: Die Ritter, die Mönche und der „Rest“. Die Ritter waren sowieso die allertollsten und haben andern Leuten die Köppe abgeschlagen. Die Mönche haben so als Ausgleich Kranke gepflegt. In einem riesigen Saal, wie man ihn immer in Filmen sieht, inkl. Kapelle für das Seelenheil. Im Museum sind ansonsten antike Statuen und Co. aufgestellt. Die Sache von Kyros (schreibt man den so? Griechische Schriftzeichen habe ich hier leider nicht…) habe ich inzwischen schon sooft gehört, dass ich sie nicht wieder vergessen werde… Erwähnenswert ist noch eine Frauenstatue, der das Gewand runtergerutscht ist. Angeblich versucht sie mit ihrer einen Hand das Gewand wieder hochzuziehen und mit der anderen ihre Brüste zu verdecken, allerdings ist von Händen und Armen nix erhalten und ich frage mich, wieso es nicht eine Frau sein soll, die sich auszeiht. Ach ja, und eine Frauenstatue mit recht ausgeprägter Haarpracht, die die Dame in den Händen hat, ziemlich bekannt die Gute. Dann mussten wir auch wieder zurück zum Schiff, wo wir das Mittagessen mit Blick auf Rhodos genießen konnten. (Zumindest am Anfang, dann sind wir ausgefahren) Jetzt nehmen wir Kurs auf Ägypten. Den heutigen Nachmittag habe ich mit Fahrradfahren und Schönheitspflege (ich weiß, da is nix zu pflegen) verbracht. Eben war dann noch der Einführungsvortrag zu Ägypten. Morgen Mittag sind wir da und werden dann zwei Nächte im Hotel in Kairo schlafen. Ich glaube, dass wir diesmal eine schlechte Wahl in Sachen Ausflug getroffen haben. (wir konnten uns an einigen Orten aussuchen, wo wir hinwollen.) Wir haben mit Sicherheit den frommsten Ausflug und irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir einfach am wenigsten sehen. Ok, es ist Wahnsinn mit dem Nachtzug nach Luxor zu fahren. Dafür begegnen wir wahrscheinlich den meisten Menschen und sehen am intensivsten die Pyramiden. Wirklich böse bin ich darüber, dass wir null von Alexandria sehen, also wir fahren mit dem Bus zum Schiff, aber wir sehen sonst nix von dieser Stadt des Altertums und vor allem die neue Bibliothek nur von außen :-((( Man kann nicht alles haben, ich bin gespannt auf dieses Land und auf die Pyramiden.

Bodrum

Also Bodrum ist irgendwie für die Türkei ein ziemliches Luxus-Kaff. Tolle Holz-Segelyachten, also wenn irgendwer mal nicht weiß, was er/sie mir schenken soll… Ansonsten halt gut ausgebaute, saubere Straßen. Am Hafen jede Menge Restaurants, Bars und Kneipen – ansonsten nix los, Geschäfte leider schon zu. Schön war der Blick auf unser beleuchtetes Schiff. Als wir wiedergekommen sind, gab´s den ersten heftigen Streit mit meinem Vater, wie immer wegen ´ner Kleinigkeit. Er meint seitdem ich würde immer auf ihn aggressiv reagieren. *shrug*

Freitag, März 25, 2005

Ephesus und sonstiges

(Mittelmeer, vor der türkischen Küste) Nach einem wirklich leckeren und reichhaltigen Abendessen gestern Abend (ich war „schon“ nach drei Vorspeisen satt) gab´s gestern ´ne Messe zum Gründonnerstag, deren Predigt ich komplett verschlafen habe. Danach bin ich dann auch folgerichtig ins Bett gegangen. Heute morgen dann Ankunft in Kusadasi/Türkei. Hässlich wegen der Hotelbauten – wieso bitte lassen die Türken ihre schöne Westküste durch Massentourismus verschandeln? Um Kusadasi nicht nur schlecht zu machen: Die Karawanserei sieht ganz gut aus und wie unser örtlicher guide zurecht sagte, liegt die Stadt besten, um den absoluten Antik-Marathon (Troja, Pergamon, Milet – und natürlich Ephesus!) zu machen. Uns fuhr der Busfahrer nach Ephesus, zuerst zu Johannes-Basilika. Dabei ist es mir ziemlich egal, ob und welcher der Johannesse (ich komme bei denen immer noch durcheinander) nun da war oder auch nicht. Allerdings muss die Basilika wirklich riesig und gewaltig gewesen sein. Diesmal war´s andersrum und die Moslems haben diesmal hinterher eine Moschee reingebaut, von der man aber kaum noch was sieht. Weiter ging´s dann zum Ausgrabungsgelände des hellenistischen und vor allem römischen Ephesus. Die Stadt muss damals gewaltige Ausmaße gehabt haben. Natürlich braucht man wieder eine gewisse Vorstellungskraft, um sich eine römische Straße vorzustellen, aber dank der österreichischen Archäologen ist auch einiges wieder aufgebaut. Was ganz besonderes sind die Celsius-Bibliothek und das Theater. Sehr gut erhalten, die obersten Stufen wiederaufgebaut, so dasss der Zuschauerraum komplett ist. Gigantisches Gefühl und der gewaltige, den wohl schon jeder mal im Geschichtsbuch o.ä. gesehen hat. Ansonsten noch sehr nette Latrinenanlagen, fast noch benutzbar und andere „Kleinigkeiten“ wie Tempel für Kaiser und so. Leider fand ich unseren örtlichen guide schwer verständlich und heute waren wir auch nicht mit Herrn Müller unterwegs, sondern mit Frau Bouillon. Die heißt wirklich so und war früher mal eine unbeschuhte Karmeliterin, sehr mystisch und spirituell. (Ich sollte mal meinen Reli-Lehrer nach dem Unterschied zwischen den beiden Wörtern fragen.) Die war heute morgen noch ganz erträglich, es gab nur ein paar Ergänzungen zur frühen Christenheit in Ephesus. Eben allerdings hat sie ´nen Einführungsvortrag über Rhodos gehalten, den man sicht total hätte schenken können. Sentimentales Rumgesülze, war eigentlich ´ne Vorlesestunde – argh. Dabei interessieren mich die Kreuzritter eigentlich total. Morgen sind wir aber wieder bei Herrn Müller und es gibt ja auch noch den örtlichen guide. Ansonsten bin ich heute mal wieder Fahrrad gefahren. Der olle Altphilologe hat ´ne Nachbereitung zu Ephesus gemacht.. War schon spannend – nur wenn der gute Herr seine Vorträge mal strukturieren würde, würde ich mir vielleicht auch mal was merken. Naja, vielleicht finde ich ja nochmal Zeit sein Buch zu lesen. Jetzt liegen wir vor Bodrum und ich habe gerade beim Schreiben den bisher schönsten Sonnenuntergang gesehen, weil es jede Menge Wolken gab und der Himmel sich sehr verformt und verfärbt hat. Gleich gibt es mal wieder Essen, ich schreibe vorher noch ein paar Karten und danach schiffen wir wohl nochmal aus und gehen ein bisschen nach Bodrum.

Donnerstag, März 24, 2005

Mykonos

(Mittelmeer, vor Mykonos) Mykonos ist ein Traum. Griechenland wie im Bilderbuch. Weiße Häuser, kleine Gassen, bunte, meist blaue Treppen, Fensterläden und Türen. Windmühlen, geniale Aussicht – muss man mal gesehen haben. Die ganze Insel verbreitet einfach eine positive Grundstimmung. Worte reichen einfach nicht aus, um so was zu beschreiben, allerdings macht mich das nicht depressiv – wieso sollte es auch? Fotos, viele schöne Fotos helfen vielleicht…

Delos

(Mittelmeer, zwischen Delos und Mykonos) Gestern Abend nach dem Essen mit der Erkenntnis, dass man Lamm zwar essen kann, aber das nicht unbedingt sein muss, habe ich mit meiner family Doko gespielt, irgendwie seltsam anstrengend und nicht so lustig, wie mit anderen Leuten – kA wieso genau. Heute morgen wurden wir nach ewigem Warten (wir waren natürlich die letzten, die dran waren) mit Tenderbooten ausgeschifft und nach Delos gebracht. Die Insel ist so klein, dass sie keinen Hafen hat, wo unser Schiff reinpasst. Delos ist eine reine Museumsinsel, also da wohnt keiner und außer alten Steinen ist da nix! Historisch finde ich dieses kleine steinige Inselchen ganz nett, was da allerdings an Überresten übrig ist, ist nicht so nennenswert. Ein paar römische Villen, allerdings wirklich nur Außenmauern, ein Theater und nette griechische Löwen. Die Mosaikreste konnten mich nach Herculaneum nicht wirklich begeistern. Netter waren die ganzen Tierchen auf der Insel: 1000e Schnecken, ´ne Eidechse, ein paar Katzen und viele niedliche Frösche. Ansonsten war der Gesamteindruck toll: Felsen, Trümmer und das blaue Meer! Noch was zum Thema „Biblische Reisen“: Der Namen äußert sich nicht nur in den Reisezielen und in den Gottesdiensten, sondern auch in Andachten und Co. während der Ausflüge, was teilweise etwas unnötig ist: sowohl gestern im Bus als auch heute im Theater (von dem eigentlich nur noch die erste Reihe gut erhalten ist) war das irgendwie sinnlos. Schön fand ich aber das Gesinge gestern in der Werkstatt des Phidias. Unser Reiseleiter hat nämlich ´ne echt schöne Bassstimme und kann irgendwelche griechisch-orthodoxen Choräle singen. Danach haben wir zusammen „Laudate omnes gentes“ gesungen, deutlich besser als seltsame protestantische Bußlieder…

Mittwoch, März 23, 2005

Olympia

(Mittelmeer, griechische Gewässer) Olympia ist auf jeden Fall eine Reise wert. Angekommen sind wir in Katakolon, ein Dorf direkt am Meer. Sieht wirklich nett aus vom Schiff, kleine Häuschen, dahinter eine Hügelkette mit dichtem Wald drauf. Straßen vermutlich für Olympia 2004 erneuert. Gibt auch viele Touristenläden, die meisten allerdings geschlossen, Wasser haben wir aber dann doch bekommen. Die Busfahrt nach Olympia war zum Glück nicht besonders lang (Busfahren macht so müde…), aber die Lndschaft ist wirklich schön. Ich weiß eigentlich nicht genau wieso, den Vordergrund, also einzelne Bäume gucke ich mir ja eigentlich nie genau an. Faszinieren tun mich allerdings diese schnuckeligen griechischen Häuser. Vielleicht ist das tolle an der Landschaft die Unregelmäßigkeit. Ständig andere Bäume, die Felder gehen fast in die bewaldeten Hügel über – aber keine Ahnung, ist auf jeden Fall sehr schön. In Olympia ist nix außer Ausgrabung und Museum. Die ganzen neolithischen Tierskulpturen und Bronzeteil fand ich lustig. Der Hermes von wie-hieß-der-Typ-noch-gleich ist irgendwie beeindrucken, auch wenn ich nicht wirklich den Unterschied zu römischen Kopien erkenne. Das Giebelfries vom Zeustempel ist einfach gigantisch, wenn auch etwas zerbröckelt. Der olle Altphilologe meinte übrigens die griechische Mythologie wäre langweilig, wenn Zeus nicht immer mit allen Frauen rumgemacht hätte. Auf dem Ausgrabungsgelände liegen viele Steine rum, die nur Sinn geben, wenn man es schafft sich vorzustellen, wie früher die ganzen Gebäude ausgesehen haben. Und da muss man schon zugeben, dass die Griechen damals beeindruckende Bauwerke hochgezogen haben. Am meisten sind mit das Heraion und natürlich der Zeustempel in Erinnerung geblieben. Das Stadion ist eigentlich nur ein Sandplatz. Krass find ich auch die Vorstellung, dass die für die olympischen Spiele ein Gästehaus für 1000 Leute, aber nur für die prominenten Gäste gebaut haben. Ach ja, wichtig ist noch die Werkstatt des Phidias, das war der Kerl, der die Zeusstatue im Tempel gebaut hat, die zu den sieben Weltwundern gehörte, von der aber heute nix mehr übrig ist, weil irgendein trotteliger byzantinischer Kaiser sie nach Byzanz/Konstantinopel/Istanbul geschleppt hat, wo sie verbrannt ist. In die Werkstatt haben die Christen ´ne Kathedrale reingebaut, was mich spontan an die Mezquita-Catedral in Córdoba letztes Jahr erinnert hat. Irgendwie ist es aber doch was anderes, weil ´ne Werkstatt kein Heiligtum ist – der Tempel wurde übrigens von ´nem Erdbeben zerstört. Das Ausgrabungsgelände macht übrigens auch als Gesamtbild was her – dank Blumen auf den und um die Steine und malerischen Bergen im Hintergrund,. Zurück zum Schiff ging´s mit dem Bus, wo es erst mal Mittagessen gab. Danach habe ich den Hometrainer im „Fitnessstudio“ des Schiffs ausprobiert – irgendwie muss man sich hier ja bewegen. Tischtennis und Volleyball kann man theoretisch auch spielen, man müsste bloß Mitspieler haben und zum richtigen Zeitpunkt kommen. Der Pool ist etwas klein und außerdem rund, also etwas ungeeignet. Ich hoffe allerdings, dass ich irgendwann mal mal in diesem herrlich blauen Mittelmeer schwimmen kann, dass ich gerade inklusive beginnenden Sonnenuntergang von Deck aus genieße. (Der Vollständigkeit halber: Eben beim dritten Vortrag von besagtem Altphilologen gewesen, etwas chaotische Trümmer auf Delos und sehr malerische Häuse und Windmühlen auf Mykonos – hört sich gut an, bzw. sah auf Dias gut aus, morgen gibt´s die Realität.)

Dienstag, März 22, 2005

Nachtrag (Vortrag und Abend)

(Mittelmeer) Kurzer Nachtrag zu den letzten Stunden: Ein Vortrag vom alten Altphilologen über Ephesus, deutlich besser als sein erster. Man merkte, dass der Typ Spezialist für die Stadt ist und irgendwie war er auch besser drauf. Deshalb gab´s auch ein paar schlaue Sprüche, wie z.B. zum Thema Artemis: „Also wenn ich Göttin wäre…“ oder „Dann sehen Sie hier die Grabplatte, also Sie sehen nicht, da ist alles zugeschüttet. Ich habe mich bloß gefragt, was die nicht-BiblischeReisen-Gäste gedacht haben, wenn der gute Herr irgendwas sagte von „wie Sie ja wissen“. Dann ein bisschen an Deck rumgegammeln und Abendessen, danach Zaubershow mit und von Hubi II.. Einige Tricks nicht schlecht, andere aber eher schlecht und langgezogen. Erinnerte mich an meine alte Taschenspieler-(das Wort gefällt mir besser als Zauberer)Phase inklusive Herrn Witt. So, nach einem netten Cocktail liege ich nun hier und warte ab, was Olympia morgen bringt.

Das Leben auf See und mehr oder weniger tiefsinnige Gedanken

Heute morgen sind wir nach´m Frühstück durch die Straße von Messina gefahren, schöne Gebirgslandschaften rechts und links, mit dem Fernglas die Lavaspuren auf dem Ätna entdeckt und Werbeplakate entziffert. Danach wieder strahlend blaues Mittelmeer, wohin man schaut mit strahlend blauem Himmel. Am Vormittag habe ich mir dann noch den Vortrag vom besagten olle Altphilologen angehört, nachdem ich auf den geographischen verzichtet hatte. (Nein, mich interessiert nicht, wie das Mittelmeer entstanden ist.) Griechischer Glaube und Tempel, etwas wenig Struktur, was der gute Herr versucht mit seiner Begeisterung auszugleichen. Interessant und inklusive des dorischen Eckkonflikts, bin aber trotzdem ein paar Mal eingepennt. Danach ging´s fließend über in die Beobachtung des Mann-über-Bord-Manövers. Spannende Sache, aber man lebt wohl auch ohne das erlebt zu haben ganz gut. Nach dem Mittagessen kam gleich der nächste Vortrag (ich frage mich gerade, ob ihr mich alle für verrückt halten, aber das ist mir eigentlich egal). Die Einführung zu Olympia, wo wir morgen hinfahren, diesmal von Herrn Müller, mit dem wir auch die meisten Ausflüge machen werden. Dank der Cola zum Mittagessen und mehr Struktur im Vortrag fiel mir die Konzentration etwas leichter, außerdem weiß ich ja immer ganz gerne über die Orte Bescheid, die ich besuche und die olympischen Spiele sind ja auch so ganz interessant. Jetzt liege ich seit einer Stunde an Deck rum, genieße die Sonne und schreibe. Ich bin froh, dass ich endlich in der Jetzt-Zeit angekommen bin. Teilweise waren die Sachen bis hier etwas sehr viel später geschrieben, so dass ich kleine aber erwähnenswerte Dinge vergessen habe. Wie den ersten Delphin in freier Wildbahn, den ich gesehen habe, sehr schön, klein und gemustert. Oder die Tatsache, dass jedem Gast zu jedem Essen ein Viertelliter Weiß- oder Rotwein zusteht. Selbstverständlich auch meiner Sis, die den kommentarlos eingegossen kriegt, wodurch wir natürlich sparen. Oder auch den Heizfimmel in den Innenräumen außer dem Essraum und in unserer Kabine, wo wir die Temperatur selber regeln können. Diese Überheizung der Räume fürht bei mir zu großen Müdigkeitserscheinungen.
Als erste Einschätzung: Ich würde so ein Schiff ohne den Bildungsanspruch von Biblische Reisen wohl nicht überleben, weil mir das zu sinnlos langweilig und spießig vokäme. Machnmal möchte ich fast schreien „Frieden den Hütten, Krieg den Palästen“ und ein bissschen ausrasten, wenn ich die Leute hier so rumlaufen sehe. Ein ähnliches Gefühl wie in Marbella letztes Jahr. Aber es ist natürlich absoluter Schwachsin da direkte kausale Zusammenhänge herzustellen. Auch wenn mir das Service-Personal, fast ausschließlich aus der Ukraine übrigens, manchmal echt für seinen Job leid tut, leben die natürlich davon und es ist besser, wenn die Leute das Geld so ausgeben, als wenn sie es auf der Bank vergammeln lassen. Ich bin freundlich und höflich zu dem Personal, mehr ist nicht drin, weil die meisten nicht mehr als das nötige Deutsch verstehen, auch wenn es mich echt mal interessieren würde, wie die Leben und sich durch´s Schiff bewegen. Mehr kann ich halt nicht tun und mein schlechtes Gewissen ist halbwegs beruhigt, weil ich vermute, dass hier niemand ausgebeutet wird, natürlich kann man das nie sicher wissen. Ich halte es für Hirnriss, mich ständig für meine Herkunft und meinen sozialen Hintergrund vor mir selbst und anderen zu entschuldigen. Viel mehr hat sich in den letzten zwei Tagen mein, in meinen Augen, gesundes Elitebewusstsein gestärkt: Ich habe halt Möglichkeiten, Vorteile und Annehmlichkeiten, die anderen nicht haben, dafür kann ich erst mal nichts. Das einzige, was ich kann, ist das zu nutzen!

Das Abendprogramm

(Mittelmeer) Nach der Bildung ging´s dann gesellschaftlich weiter. In Abendgarderobe wurden wir vom Kapitän, Offizieren und Kreuzfahrtdirektor begrüßt. Sehr cool war die Situation, während wir mit Begrüßungsdrink am Tisch warteten. Auf dem Tisch gab´s eine Schale mit Chips, die natürlich sehr schnell leer war. Mein Vater, meine Schwester und ich haben meine Mutter angespitzt unsere leere Schale mit der vollen vom Nachbartisch zu tauschen, wo der zugehörige Besitzer gerade nicht hingeguckt hat. Als meine Mutter dann gerade wieder an ihrem Platz war, fasste der Typ natürlich das erste Mal zu den Chips und beschwerte sich lautstark darüber, dass keine mehr da waren, während wir alle verzweifelt versuchten unbeteiligt auszusehen. Danach ging´s weiter mit dem Begrüßungs-Gala-Dinner, was eigentlich kein großer Unterschied vom Stil her war zum Essen am Sonntag. Übrigens ist es überraschend wie schnell man sich an die Spielregeln beim Essen gewöhnt. Von zu Hause kenne ich ja solches Gedöns wie mehrere Gänge oder so gar nicht und die Bestecktheorie habe ich eigentlich immer nur gehört und nie erlebt. Hier ist das jetzt nach zwei Tagen total gewöhnlich für mich, dass 1000 Besteckteile am Anfang auf´m Tisch liegen und nach der Bestellung die Hälfte verschwindet und vor´m Dessert nochmal umgelegt wird. Nach dem Essen habe ich mir dann noch die Begrüßungsshow angetan, was jetzt den positiven Effekt hat, dass ich weiß welche Sachen ich mir NICHT antun muss und das sind fast alle. Der Typ, der durch´s Programm geführt hat und sonst noch einiges Zeugs macht, war ganz erträglich, abgesehen davon, dass er mich an Hubi erinnert *würg*
Ansonsten gab´s drei Arten von Gesang, alles eigentlich nur mit viel Alkohol zu ertragen und ´ne Tanzeinlage, die nicht schlecht war. Gut ist auch die Band, die mir eigentlich wegen des Publikums leid tut. Etwas geschafft habe ich mich danach in mein Bett begeben.

Der erste Tag auf See

(Mittelmeer, Höhe Sorrent? ;-) )Nur kurz zur Erklärung: Wir sind also mit Biblische Reisen unterwegs zum Thema Alte und Neue Weltwunder, ca. die Hälfte der Schiffsgäste gehört zu unserer Gruppe, die andere hat quasi „normal“ bei Hansa Kreuzfahrten gebucht. Uns wurde dann der Weg zu unserer Kabine gewiesen, die wir mit 4 Leuten bewohnen, und weil unsere Koffer noch nicht da waren, haben wir uns erst mal auf dem Schiff umgeguckt und sind schließlich im Speisesaal zum Kaffeetrinken gelandet, nette Kleinigkeiten gab´s. Dann kam die große Koffer-Auspack-Session in Etappen – ich frage mich immer noch, wie der ganze Inhalt meines Koffers in diesen kleinen Schrank gepasst hat. Schließlich ging´s zum Essen Menü-Auswahl. Mein Vater war sich ganz sicher, dass man nur die Sachen bestellen müsste, wo man auf der Karte auswählen kann und den Rest automatisch bekommen würde. Dem war natürlich nicht so, weshalb mir zwei nette Vorspeisen entgangen sind. Nach dem Essen war Begrüßung von Biblische Reisen angesagt, inkl. Vorstellung der Reiseleiter, außer ein paar Ausnahmen schienen die alle ganz in Ordnung zu sein. Nett war noch hinterher als die Frau des Chef-Gurus, die für die Orga zuständig ist auf uns zu kam und sagte, dass ihr unser Name so bekannt vorkäme, weil sie ganz lange einen Gast mit dem Namen gehabt hätten. Ich dachte mir sofort, dass das nur meine Oma sein konnte, rauskam dann, dass sie die ziemlich gut kannte, was ja auch kein Wunder ist, weil meine Oma x Reisen mit denen gemacht hatte. Überraschend war übrigens auch, dass die jüngeren Leute auf diesem Schiff (also sowohl Pubertierende und normale Leute, also 18-25jährige, als auch etwas ältere) fast alle zu Biblische Reisen gehören. Den Abend haben wir dann damit verbracht an Deck einen guten Cocktail schlürfend die Sicht auf Monaco zu genießen. Als ich dann irgendwann im Bett lag, fingen die Motoren an zu vibrieren, losgefahren sind wir wohl erst später und seitdem befinden wir uns in diesem schönen blauen Meer.

Der nächste Tag begann mit einem genialen Frühstücksbuffet, für mich ist ja kaum was so wichtig, wie das Frühstück. Das nächste Ereignis war die Seenotrettungsübung, eigentlich eine große Gaudi, damit die Fotografen viel Geld mit Fotos von Leuten in Schwimmwesten machen können. Danach hatte ich irgendwie meinen ersten Tiefpunkt, da mein Kreislauf die Überhitzung in den Gängen nicht so wirklich toll findet. An Deck war es dafür deutlich angenehmer, viel Sonne, blaues Meer – was will man mehr? Gute, wohl dosierte Bildung – die gab´s nach´m Essen über Weltwunder. Guter, interessanter Vortrag, ich bin trotzdem eingeschlafen, weil gerade gegessen, sowieso müde und viel zu bequeme Sessel. Ähnliches Problem war übrigens auch beim Gottesdienst am Vormittag, der wirklich sehr öde war. Der evangelische Pfarrer, der mit ist, ist eher und Labersacke und die evangelisch Art Gottesdienst zu feiern finde ich immer noch sehr – sagen wir mal – kahl.

(Dienstag, 22.3.05, 10:50 UhrMittelmeer, südlich von der Straße von Messina) Ansonsten bestand der Tag aus an Decke liegen und nichts tun oder schreiben und zwei Gesprächskreisen, die an sich toll sind, weil die Referenten wirklich was zu sagen haben und das gut rüberbringen können. Allerdings sind die Leute etwas seltsam, die nicht zuhören können und in bester Spanisch-Kurs-Manie Fragen wiederholen, die gerade beantwortet wurden. Besonders toll finde ich auch Leute, die zum Schluss dem Referenten sagen, dass er Unrecht hätte und dann genau das sagen, was er eine halbe Stunde vorher schon gesagt hat.

(kurz vor 2, vor´m Vortrag, Mittelmeer)
Beim ersten Gesprächskreis habe ich meine sis begleite zu so ´ne alten Altphilologen, wie er im Buche steht. Nette Sachen übe Religion und Gebete bei den alten Griechen erfahren. Der zweite war eher ein Referat, weil so viele Leute – über Jungfrauengeburt bei den Ägyptern und im Christentum. Von den Ägyptern habe ich ja nun null Ahnung und selbst wenn mir schon lange klar ist, dass das mit der biologischen Jungfräulichkeit Marias irgendwie nicht wirklich hinhaut, ist das mit dem ägyptischen Einfluss eine zusätzliche Argumentationshilfe.

Montag, März 21, 2005

Monaco und der Weg dorthin

(Mittelmeer, Höhe Rom) Anstatt ganz normal in Unna auszusteigen, wie geplant, sind wir schon eine Station früher ausgestiegen, in dem Ort mit dem schönen Namen Bönen (ich wusste vorher auch nicht, dass es den überhaupt gibt). Also haben wir ´ne halbe Stunde gewartet und dann den nächsten Zug nach Unna genommen, wo schon der Mann einer alten Freundin meiner Mutter auf uns wartete. Der Abend war etwas anstrengend bis nervig mit Krankheits- und Homöopathie-Geschichtchen und Pilzsuppe – bäh! Am Morgen hatten wir dann viel Spaß mit meiner Schwester, dem Morgenmuffel. Zum Flughafen ging´s mit dem Auto, wo uns dank der Tatsache, dass easyjet ein britische Fluglinie ist, zwei Sicherheitskontrollen erwarteten. Bei der zweiten entdeckte man übrigens den Nagelknipser meines Vaters, der die amerikanischen Sicherheitsleutchens nicht interessiert hat. Der Flug war einschläfernd… die Alpen von oben allerdings ganz nett. In Nizza am Flughafen wussten wir dann nicht so ganz, wo wir hinmüssen. Eigentlich wollten wir zum Regionalbahnhof und von dort nach Monaco fahren. Allerdings war es nicht möglich rauszufinden, welcher Bus dahin fährt, oder in welche Richtung man laufen muss, wenn man zu Fuß gehen will. Die Busfahrer weigern sich offensichtlich irgendwen zu verstehen, der nicht perfekt Franze spricht, auf Englisch haben wir es schon gar nicht versucht. (Im Flugzeug habe ich übrigens seltsamerweise die französischen Ansagen besser verstanden als die englischen…) Irgendein Flughafenangestellter meinte, wir sollten mit dem Shuttle zu Terminal 1 fahren, dort waren wir aber auch nicht schlauer. Irgendwann hat uns dann im Flughafen ein Schalter Karten für einen Bus direkt nach Monaco verkauft, auch gut. Während des Wartens haben wir erst mal Baguette gefrühstückt. Die Busfahrt war toll, weil ziemlich viel direkt an der Küste entlang – ich werde allerdings nie verstehen, wieso die da bei jeder noch so kleinen Kreuzung Kreisel bauen. Der erste Eindruck von Monaco: Schön, weil Meer und Berg gleichzeitig, aber viel zu viele hässliche Hochhäuser. Wir sind dann direkt am Yachthafen angekommen, von wo wir schon unser Schiff die MS Delphin gesehen haben. Dahinzukommen war aber gar nicht so einfach, weil gerade ein Radrennen um den Hafen herum stattfand, durch das wir nicht so einfach durchrennen konnten. Irgendwann sind wir dann schließlich doch am Schiff angekommen und haben dort erst mal unser Gepäck abgegeben. Von unseren Koffern erleichtert wagten wir dann den Aufstieg zur Burg/Festung der Grimaldis, wo gerade Wachablösung war, was man nicht unbedingt erlebt haben muss. Nett ist das Viertel um den Palast (keinen Plan, was das eigentlich ist) herum. Kleine Gässchen, ´ne nette Kathedrale, Gärten mit Blick auf´s Meer und natürlich 1000e Touristenläden mit Formel 1 und Ferrari-Fanartikel. (Ich bin auf die dumme Idee gekommen meiner sis zu sagen, sie sollte doch mal gucken, ob sie was für ihre Freundin, die irgendwie so´n großer Ferrari-Fan ist, was findet.)

Nach ´nem netten Baguette und Eis beim Möwen beobachten und die Aussicht genießen sind wir dann wieder runtergelaufen, mit einem Zwischenstop bei einem Mini-Amphitheater, das mein Vater und ich erst mal für eine kleine künstlerische Einlage genutzt haben. Am Schiff war erst mal eine Stunde Warten angesagt, weil wir erst um 4 diesen Kutter betreten durften. Dann ging´s los mit Begrüßungsteee und persönliche Begrüßung durch den BiblicheReisen-Reiseleiter. (Was das ist erkläre ich im nächsten post.)

Sonntag, März 20, 2005

Der Weg zum Zug

(Monaco) Langsam wurde ich hektisch – es war 6 und um 18:31 fuhr unser Zug, ich wunderte mich erst noch, weil ich mir eigentlich sicher war, dass ich alles aus meiner Tasche ausgepackt hatte – Das war auch richtig, denn in meiner Tasche war nix mehr und ansonsten in der KSJ auch nirgendwo irgendwelche Schließfachkarten. Ich total panisch, die Zeit lief. Die Karten waren einfach nicht da. Irgendwann sah ich keinen Sinn mehr, rannte zur Straßenbahn und fuhr zum Kröpcke. Dann legte ich einen olympia-verdächtigen Sprint zum Bahnhof hin, wo ich meiner Familie erzählen musste, dass ich die Karten nicht habe, Wir zum Bahnmitarbeiter, der uns erzählte, dass das 17€ pro Fach (wir hatten 2) kosten würde, wenn er uns die Sachen rausholt und dass wir den Zug auf keinen Fall noch kriegen würden. Ich sah wohl ziemlich fertig aus, er bewegte sich zwar mit der Geschwindigkeit einer Schildkröte, öffnete uns die Fächer und verzichtete hinterher sogar auf die Bezahlung – man kann also auch gute Erfahrungen mit Bahnmitarbeitern machen. Dann machte die Bahn aber mal wieder einen schlechten Eindruck. Wir rennen mit drei Koffern und jede Menge kleiner Gepäckstücke zu Gleis, wo wir hören, dass der Zug verlegt wurde. Auf dem anderen Gleis wussten wir natürlich nicht, wo unser Wagen ist und sind prompt in den falschen Zugteil eingestiegen, wo wir zum Glück noch Plätze fanden, aber viel Spaß mit Gladbach-Fans hatten. In Hamm beim Umsteigen ging alles glatt, aber natürlich blieb das nicht so.

Samstag, März 19, 2005

Der Beginn

(Unna) Die Reise fing eigentlich an mit einem grandiosen 2:1-Sieg von 96 gegen Gladbach, na ja eigentlich spielt Not gegen Elend. In der 1. Halbzeit dominierte Elend, in der 2. hat Not dann das Spiel entschieden. Kaum vorstellbar ist aber die Erleichterung, die bei 1:1, dem ersten Tor nach ich-weiß-nicht-wieviel Minuten, durch das Stadion ging. Dann ging eigentlich die Party los und das 2:1 war irgendwie klar. Den Schlussjubel haben wir uns allerdings leider sparen müssen. Sind dann los zur KSJ, wo wir uns schnell umgezogen und unsere Sachen deponiert haben. Alles gut, alles glückliche – in der Straßenbahn erwähnt mein Vater ´was von dem Gepäck, das wir im Schließfach deponiert hatten. Ich stelle fest, dass die Schließfachkarten, die ich an mich genommen hab, gar nicht dabei hab. Die hatte ich in meiner Hosentasche von der Hose, die ich gerade ausgezogen und in der KSJ liegen gelassen hatte. Ich also raus und zurückgefahren.